Familie: Was ist “freiwillig”?

Aus den Erzählungen meier Großmutter Margarete Vierkant, geb. Kressin:

Zum 1.5.1933 wurde im Betrieb (Sanatorium Siloah in Kolberg/Ostsee), in dem meine Großmutter arbeitete, ein Betriebsobmann gewählt.
Man wählte einen der wenigen männlichen Mitarbeiter, den Heizer.
Dieser Betriebsobmann sollte organisieren, dass die Belegschaft an der Mai-Demonstration teilnimmt und sich danach auf dem Rathausplatz gemeinsam die Rede des “Führers” anhört.

Der Betriebsobmann ging nun gewissenhaft durch die einzelnen Abteilungen des Betriebes und verkündete diesen Plan.
Im Zimmer, in dem meine Großmutter arbeitete, meldete sich eine der Mitarbeiterinnen zu Wort und meinte, die Teilnahme sei doch “freiwillig”, wie sie gehört hätte.
Daraufhin erhielt sie vom Betriebsobmann die Antwort: “Freiwillig ist, wenn alle mitmachen”.

Bildquelle:     http://fotopolska.eu/Kolobrzeg/b43392,Sanatorium_dzieciece_.html

Diese Begebenheit fällt mir automatisch ein, wenn ich das Wort “freiwillig” höre.

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