Familie: Meine Kolberg Sammlung

Gehört zu: Familie

Meine Kolberg-Sammlung

Ich habe zum Thema “Kolberg” eine Reihe von Dingen zusammengetragen:

Es gibt auch einen “Verein” der ehemaligen Kolberger in Hamburg. Eines der Treffen im Hotel Raphael (Adenaueralle 41)  hatte ich ca. 2016 mal besucht – ich war nicht so von denen angetan….(der Verein reist so gerne und oft nach Kolberg – während dessen ich meine kurze Reise nach Kolberg eigentlich nicht als positiv empfand – Ich glaube, da will ich nie wieder hin…)

Organisiert wird das von einem Herrn Bohnhoff.

Jetzt in 2018 rief mich ein herr Detlev Arndt aus Strahlendorf bei Schwerin  an (0152 55303977) und informierte mich über eine Reise nach Kolberg, welche die Gruppe für den 15.9.2018 für eine Woche plante (Verweis auf das Mitteilungsblatt “Kolberger Strand-Distel”).

Familie: GPS-Punkte im Stadtplan von Kolberg

Gehört zu: Familie

GPS-Punkte im Stadtplan von Kolberg

Zur Orientierung  für das Kolberg der Vorkriegszeit hier eine kleine Liste von GPS-Koordinaten.
Die Ansicht Satellit in Google Maps gibt den besten Eindruck:

Dkracht 11:24, 15 October 2011 (CEST)

 

Familie: Was ist “freiwillig”?

Was ist freiwillig?

Aus den Erzählungen meier Großmutter Margarete Vierkant, geb. Kressin:

Zum 1.5.1933 wurde im Betrieb (Sanatorium Siloah in Kolberg/Ostsee), in dem meine Großmutter arbeitete, ein Betriebsobmann gewählt.
Man wählte einen der wenigen männlichen Mitarbeiter, den Heizer.
Dieser Betriebsobmann sollte organisieren, dass die Belegschaft an der Mai-Demonstration teilnimmt und sich danach auf dem Rathausplatz gemeinsam die Rede des “Führers” anhört.

Der Betriebsobmann ging nun gewissenhaft durch die einzelnen Abteilungen des Betriebes und verkündete diesen Plan.
Im Zimmer, in dem meine Großmutter arbeitete, meldete sich eine der Mitarbeiterinnen zu Wort und meinte, die Teilnahme sei doch “freiwillig”, wie sie gehört hätte.
Daraufhin erhielt sie vom Betriebsobmann die Antwort: “Freiwillig ist, wenn alle mitmachen”.

Bildquelle:     http://fotopolska.eu/Kolobrzeg/b43392,Sanatorium_dzieciece_.html

Diese Begebenheit fällt mir automatisch ein, wenn ich das Wort “freiwillig” höre.

Familie: Schwede Coburg und das Reiterdenkmal

Schwede Coburg und das Reiterdenkmal

Aus den Erzählungen meiner Mutter, Gisela Kracht, geb Vierkant:

In der Nazi-Zeit wurde  nach den ersten scheren Luftangriffen auf Stettin am Reiterdenkmal für Kaiser Willhelm II von aufgebrachten Bürgern ein Schild mit folgender Inschrift angebracht:

Lieber Willhelm, steig’ hernieder
und regiere Du uns wieder.
Lass’ in diesen schweren Zeiten
lieber Schwede-Coburg reiten!

Franz Schwede-Coburg (ursprünglich Franz Schwede) war seit dem 20.7.1934 “Gauleiter” von Pommern. Er begann seine “Parteikarriere” in Coburg, wofür er später von dem NS-Regime den Namen “Schwede-Coburg” erhielt.

Das Denkmal war das  “Willhelmsdenkmal” oder auch “Kriegs- und Kaiserdenkmal” in Stettin, geschaffen von Prof. Carl Hilgers.

Luftangriffe auf Stettin werden berichtet für 20./21.4.1943,  17.8.1944, 5./6.1.1944

Recherchen in Internet ergeben das Schilder solcher Aufschrift an mehreren Orten in Deutschland als Ausdruck des Protestes an Reiterstandbildern angebracht wurden.

 

Familie: Nach der Flucht: Bremen wird die neue Heimat

Gehört zu: Familie

Arbeitssuche in Bremen

Nachdem Papa im August 1945 aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, kümmerte er sich auch sofort um Arbeit. Er erkundigte sich, wo welche Zeitungen wieder neu erschienen und schrieb für diese laufend Artikel. So konnte er schon etwas Geld verdienen. Anfangs schrieb er von Husum aus für Zeitungen in Kiel und Flensburg. Mit Hilfe einer Landkarte des Wehrkreises X fragte er sich: Wo könnten wir wohl hin? Wo gibt es noch/schon Zeitungen? Auf Verdacht schickte er dann seine Artikel an die verschiedensten Zeitungen in der Gegend.

Papa hatte sich dann bald für den Arbeitsort Bremen entschieden. Dort wohnte er im Hotel Schaper-Siedenburg am Bahnhof und bewarb sich zunächst auf eine Stelle, die der Weser-Kurier für Osterholz suchte. Diese Stelle wurde dann aber mit jemand anderem besetzt, der ein Auto hatte.

Gleichzeitig bewarb sich Papa bei Radio Bremen, wo der Sendebetrieb bald losgehen sollte. Die Bewerber wurden um “Probe-Reportagen” zum Thema “Bremer Straßenbahn” gebeten. Papa machte verschiedene Interviews zu diesem Thema und reichte seine Skripte ein. Er wurde als bester auch genommen, aber der Beginn des Sendebetriebs verzögerte sich immer wieder. Man konnte also schreiben, aber nichts wurde gesendet, also gab es auch kein Honorar. Papa schrieb aber als Freiberufler weiter für den Weser-Kurier und bald auch für die WAZ, die SZ u.a.

Während Papas Weihnachtsurlaubs 1945 in Husum kam auf einmal die Nachricht: “Radio Bremen sendet” (23.12.1945). Gleich nach Neujahr belieferte Papa nun auch Radio Bremen mit Texten, für die es dann endlich auch Honorar gab. Die ersten Chefs von Radio Bremen sind: Edward E. Harriman (US-Offizier), Walter Geerdes (Intendant), Hans-Günter Oesterreich (Sendeleiter).

Zuzug nach Bremen in die Kreuzstraße

DK_20170313_00879.JPG

Kreuzstr. 15 in Bremen: Im Souterrain wohnten wir 1946

Aufgrund seiner (bescheinigten) Arbeit in Bremen bekamen wir schließlich eine Zuzugsgenehmigung nach Bremen. In der Reihenfolge bekamen als Erste die im Kriege aufs Land gezogenen Bremer ihre Rückkehrgenehmigung. Als Zweite wurden dann Leute mit vorhandener Arbeitsstelle in Bremen zugelassen. Am 27.2.1946 zogen wir nach Bremen in die Kreuzstraße 15 zu Frau Zeise (?), deren Mann auf einer Schiffsreise gestorben war und ein Seebegräbnis erhalten musste.

In Bremen wurden wir dann auch “entnazifiziert”. Mutti wurde als “nicht betroffen” eingruppiert, Papa musste eine Geldbuße von RM 375,– zahlen, denn er hatte für den “Danziger Vorposten” geschrieben und der “Vorposten” galt als NSDAP-Zeitung. Für einige seiner Artikel im Vorposten benutzte er das Pseudonym “Paul Benecke”. Seine Entnazifizierungsakte war deshalb mit “Benecke/Kracht” beschriftet. Das brachte meinen Vater darauf, als er später bei “Weser-Kurier” anfing, unter dem Namen “Benecke-Kracht” zu schreiben.

Von der Bremer Bevölkerung wurden die Flüchtlinge sehr freundlich aufgenommen. Im Gegensatz zu der doch eher feindseeligen Haltung der Husumer, die nie etwas ernsthaftes vom Krieg mitbekommen hatten, mussten die Bremer den Krieg mit seinen Auswirkungen schon seit längerer Zeit am eigenen Leibe erfahren.

1947 geht’s dann in die Parkallee

Mutti ging jeden Tag auf’s Wohnungsamt in der Kohlhökerstraße (Google Maps), um eine größerer Wohnung zugeteilt zu bekommen. Nachdem nun zum dritten Mal Nachwuchs unterwegs war, klappte es plözlich im Juli 1947. Wir bekamen eine richtig große Wohnung in der Parkallee 25. Als Umzugswagen diente ein Fahrradanhänger, auf den wir unsere wenigen Sachen (z.B. leere Blechdosen, die als Kochtopf dienten) packen konnten. Ziehen mussten wir das Wägelchen allerdings mit der Hand.

Am 12.2.1948 kam dann der Nachwuchs. Zur Überraschung aller Beteiligten waren es gleich zwei: Rainer und Sabine. Aber wir hatten ja jetzt eine schöne große Wohnung.

Von der Parkallee aus hatte man auch einen guten Zugang zum Bahndamm am Barkhof. Papa und Opa konnten aus den dort stehenden Kohlezügen etwas für uns abzweigen. Andere schickten für diese Arbeit auch ihre größeren Kinder.

Opa (in Syke) hatte bei seiner Versicherung “Alte Leipziger” eine Stelle als Kassierer bekommen. Dadurch lernte er viele Leute kennen. Eines Tages bekam er auch den Tipp, dass in Rotenburg (Wümme) die Stelle eines Schriftleiters besetzt werden sollte. Papa fand diese Stelle in einer Kleinstadt aber nicht attraktiv genug. Später suchte die Süddeutsche Zeitung dann einen festen Korrespondenten für Hamburg. Papa entschied sich aber gegen einen Wechsel nach Hamburg. Er hatte in den Jahren seit 1946 schon solch’ gute Kontakte mit den lokalen Politikern geknüpft (z.B. dem Bürgermeister Willhelm Kaisen), wogegen Hamburg ein kompletter Neuanfang gewesen wäre.

Wir erlebten die Währungsreform am 20. Juni 1948: In der nahegelegenen “Oberschule am Barkhof” holten meine Mutter und ich unser “Kopfgeld” ab. Ostern 1950 kam ich dann in die Bremer Rembertischule. So wurde Bremen zu unserer neuen Heimat.

Familie: Nach der Flucht: Kiel und Husum

Gehört zu: Familie

Verschnaufpause in Kiel

So waren wir am 12.3.1945 in Kiel bei der Schwester von Frl. Ohms in der Lützowstraße 3 angekommen und ich konnte meinen ersten Geburtstag hier feiern. Die Wohnsituation war dort bei der Schwester von Fräulein Ohms zwar in Ordnung, aber es gab viele Luftangriffe und wir mussten tags wie nachts immer in den Luftschutzbunker.

Im Luftschutzbunker war da immer diese Frau mit dem heissen Bügeleisen, das sie nicht in der Wohnung lassen wollte, denn sie war Scheiderin und auf ihr Handwerkszeug angewiesen.

Zum Schlafen konnte man sich nur angezogen auf das Bett legen, weil es jederzeit losgehen konnte. Der Fußweg zum Luftschutzbunker war nur ein schmaler freigeräumter Pfad auf dem Bürgersteig, links und rechts von Schuttbergen aus Ziegeln u.ä. gesäumt. Was wir bis dahin nicht wussten, war dass Oma nachtblind war und eine Staßenbeleuchtung gab es damals in Kiel nicht mehr. Das war also ein weiterer negativer Umstand.

Vermutlich war der Luftschutzbunker am nahegelegenen Blücherplatz, denn es soll ja nur ein kurzer Fußweg von der Lützowstr. 3 gewesen sein.

Die Tage in Kiel wurden genutzt um alles zu waschen und auch von den Strapazen der Flucht auszuruhen. Insgesammt bieben wir nur acht Tage (12.-20.3.1945) in Kiel.

Die NSV schickt uns nach Husum

Oma erkundigte sich bei den Behörden nach einem Krankenhaus, da Mutti ja mit Gunde schwanger war, die im April zur Welt kommen sollte. Die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) wies uns schießlich ein ausserhalb Kiel liegendes Quartier zu. Oma und Fräulein Ohms bekamen als erste eine Zuweisung nach Husum (Herzog Adolf Str. 6), wo sie einzeln jeweils in einem Zimmer bei einer Familie unterkamen – sozusagen als unser Vorauskommando. Mutti, Klaus und ich bekamen wenig später (20.3.1945) ebenfalls eine Zuweisung nach Husum in einen andere Familie (bei Struve, Norderstrasse 20).

In Husum kam dann Gunde am 12.4.1945 um 01:10 Uhr zur Welt.

Es gab in Husum noch drei Luftangriffe. Die meisten Husumer brachten sich dann ausserhalb der Stadt auf den Deichen in Sicherheit. Mutti konnte mit den beiden Kleinen nicht auf den Deich, sondern ging in den gut zum Luftschutz ausgebauten Keller der Wirtsleute. Die hatten ein Baugeschäft und deshalb wohl die Möglichkeit, gute Stützen in den Keller einzubauen.

Das Kriegsende mit “Lili Marlen”

Papa war im April 1945 aus dem Lazarett in Neustreliz entlassen worden (Lungenentzündung) und hatte einen Marschbefehl nach Neubrandenburg erhalten. Am Bahnhof in Neustreliz sagte man ihm aber, dass in Neubrandenburg bereits der Russe sei. Deswegen machte sich Papa nun auch auf nach Westen. Es ging zuerst zu Fuß nach Westen, später nahm ihn dann ein LKW auf. Sie kamen durch ein Dorf namens “Malin” (oder so ähnlich) und ein ein paar Dörfer weiter hörten sie aus Lautsprechern das Lied “Lili Marlen”, allerdings nicht in deutsch sondern auf englisch. Da hatten sie es geschafft. Für Papa war der Krieg zu Ende. Er kam dann in Kriegsgefangenschaft beim Engländer, der ihn in ein Lager bei Großenbrode steckte. Er wurde von dort am 10. August 1945 entlassen und kam auch nach Husum.

Familie: Die Flucht aus Kolberg

Gehört zu: Familie

Die letzten Tage in Kolberg

Im März 1945 stießen die Russischen Truppen immer weiter nach Westen vor. Am 3.3. erreichen sie das Stettiner Haff, am 4.3. ist dann der Kessel um Kolberg vollständig geschlossen. Die Stadt war unter Beschuss und konnte nur noch auf dem Wasserwege verlassen werden.

Wir bestiegen am 7.3.1945 gegen 14 Uhr im Kolberger Hafen ein Schiff, so eine Art “Prahm”, von dem man sagte, dass es auch als Mienenleger gedient hatte. Wir, das sind meine Mutter, Klaus, Oma, Fräulein Ohms und ich; auch die anderen Bewohner des Hauses Ziegelschanze Nummer 7 waren dabei.

Das Schiff sollte uns von Kolberg nach Swinemünde bringen. Um 18:00 beginnt die Fahrt, die normalerweise etwa 6 Stunden dauert. Diesmal wird es aber 18 Stunden dauern, da wir nachts in ein Minenfeld geraten und erst bei Helligkeit vorsichtig weiter fahren können. Diese Schiffsreise war ein Horror: die Leute saßen dicht an dicht gedrängt unter Bord. Immer wieder drang Wasser ein, die Leute wurden seekrank und die Luft roch nach nach Übergebenem und anderen unangenehmen Düften. Immer wieder ging der Motor aus, aber man bekam nur selten Informationen über die Lage. Einige der Passagiere drehten auch durch (“Mein Mann stribt!”, “Das Schiff geht unter”, …) und schrieen panisch herum.

Papa hatte schon rechtzeitig alles Geld abgehoben und auf Postsparbücher eingezahlt.

Contine reading