Familie: Sprüche aus meiner Kindheit

Schreibste ihm, schreibste ihr, schreibste auf M.K.-Papier   –  M.K. = Max Krause    http://www.mylifewiki.org/de/artikel_175.html

Der Fleck ist weg und das Loch ist wie neu  (Oma zu Fleckentfernungsmitteln)

Zucker sparen grundverkehrt, Zucker nährt  (Oma zu Werbesprüchen mit unterschiedlichen Aussagen)       http://www.magazin-schule.de/magazin/sieben-irrtuemer-ueber-zucker/

“Keiner soll hungern ohne nicht auch ein bisschen zu frieren” so variierte meine Oma das Motto des WHW (Winterhilfswerk der Nazis) https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCsterwitz

“Zehn Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit” (meine Oma)

Jetzt werd’ ich aber fuchsteufelswild  (meine Mutter)

Jetzt aber ab trimo !   (meine Mutter)

Du Lorbass ! (meine Mutter)

Ach du grüne Neune !   (meine Mutter)

Licht aus, Messer raus, drei Mann raustreten zum Blut rühren!  (meine Mutter)

Lieber Willhelm steig’ hernieder und regiere Du uns wieder. Lass’ in diesen schweren Zeiten lieber Schwede-Coburg reiten. (Laut Oma ein Schild am Reiterdenkmal in Stettin)

Freiwillig ist, wenn alle mitmachen  (Oma zitiert den Betriebsobmann von Siloah anlässlich einer Veranstaltung zum 1. Mai)

Von welchem Spiel sprecht ihr?  (Opa nach einem Skatspiel, wenn wir uns beim Mischen noch über das vorige Spiel unterhielten)

Piken haben die Kosaken (Opa wenn er beim Skatspiel Pik ansagen wollte)

“Cornus das Korn, Hasus der Hase” – Nach den Erzählungen meiner Mutter der Spruch ihres Lateinlehrers, als ein Schüler “Cornus” nicht als “das Horn” übersetzte, sonden fälschlich als “das Korn”

“tenebrae appropinquabat” eine lateinische Wendung, die meine Mutter manchmal brachte

“Voulez vous spazieren gehn, dans la grünen Wald?”  (meine Oma, wenn’s französisch sein sollte)

“Nous avons, vous avez, nu isser weg!” (meine Oma, französisch)

“Eingehüllt in feuchte Tücher studiert er die Gesetzesbücher. Und plötzlich schliesst er messerscharf dass nicht sein kann, was nicht sein darf” (ein Ringelnatz-Zitat meiner Oma)

“Du musst auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen” (Papa)

“Der Papa hat sich auf’s Ohr gelegt” sagte meine Mutter, wenn Papa den Mittagsschlaf zelebrierte

“Das macht Käpt’n Brand alles mit der linken Hand” (Mutti, wenn es turbulent wurde)

“Wie ein geölter Blitz” – sagte meine Mutter, wenn es ganz schnell war

“Der Quatsch wird immer quätscher bis er quietscht” sagte meine Mutter auch manchmal

“…und dann stehst’e da wie Pique 7 auf Bahnsteig 8….”   (meine Mutter)

“Glibberlottchen” sagten wir zum Wackelpudding

“Kaffeebohne auf den Tisch genagelt, Eimer Wasser ‘drüber gegossen” sagte meine Oma, wenn der Kaffee etwas dünn war

“Quod licet Iovi non licet bovi” hat mit meine Mutter beigebracht

“Der ist vom Stamme Nimm” sagte meine Mutter, wenn einer ein etwas einnehmendes Wesen hatte

Das ist “der letzte Rest vom Schützenfest” sagte meine Mutter manchmal

Verschiedenes aus der “Nachkriegszeit”

“Das ist mir ein innerer Reichspateitag” sagte man manchmal, wenn etwas ganz Tolles passiert war

Als “Reichbedenkenträger” wurden Leute bezeichnet, die bei allem das evtl. Problematische sahen (ich erinnere mich an einen Herrn bei Bosch in Stuttgart, der diesen Nebentitel hatte).

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“Quatsch” wurde auch als “Quackelkram” oder “Quackulatur” bezeichnet.

 

Familie Kirsten und der Jumbo

Meine Schwester Gunde erinnert sich an folgende Erzählung:

Marianne hatte sich im Kriege in einen schmucken blonden SS-Offizier namens Peter verliebt. Peter ist der Vater ihres Sohns Isung.

Der überzeugte Nazi Peter wurde nach dem Kriege in Bremen von den Amerikanern festgenommen und im Keller des Hermann-Böse-Gymnasiums längere Zeit inhaftiert.

Aus dem Kellerfenster hatte er einen Blick auf das sog. Kolonialdenkmal (ein Elefant aus Backstein, den die Schüler später “Jumbo” nannten). Als er später frei kam, sagte er, er wolle in seinem Leben nie wieder Elefanten sehen.

Familie: Die beste Feundin meiner Mutter: Marianne Kirsten

Marianne Kirsten stammt aus Wehlen.

Sie kam in den 1930er Jahren nach Kolberg, weil dort ein Verwandter (Onkel?) eine Zahnarztpraxis hatte, in der sie eine Lehre als Zaharzthelferin und Laborantin machen wollte.

Meine Familie lebte seiner Zeit in Kolberg und meine Mutter, Gisela Kracht geb. Vierkant, und Marianne lernten sich bei den sog. “Jungmädels” (Altersgruppe: 10-14 Jahre) kennen und wurden sehr gute Freunde.

Marianne hat nach dem Kriege ein Leben geführt, dass sie von Kolberg, Wehlen, Bremen und Graz schließlich nach Südafrika und letztlich wieder nach Schweden geführt hat.

Familie: Schwede Coburg und das Reiterdenkmal

Aus den Erzählungen meiner Mutter, Gisela Kracht, geb Vierkant:

In der Nazi-Zeit wurde  nach den ersten scheren Luftangriffen auf Stettin am Reiterdenkmal für Kaiser Willhelm II von aufgebrachten Bürgern ein Schild mit folgender Inschrift angebracht:

Lieber Willhelm, steig’ hernieder
und regiere Du uns wieder.
Lass’ in diesen schweren Zeiten
lieber Schwede-Coburg reiten!

Franz Schwede-Coburg (ursprünglich Franz Schwede) war seit dem 20.7.1934 “Gauleiter” von Pommern. Er begann seine “Parteikarriere” in Coburg, wofür er später von dem NS-Regime den Namen “Schwede-Coburg” erhielt.

Das Denkmal war das  “Willhelmsdenkmal” oder auch “Kriegs- und Kaiserdenkmal” in Stettin, geschaffen von Prof. Carl Hilgers.

Luftangriffe auf Stettin werden berichtet für 20./21.4.1943,  17.8.1944, 5./6.1.1944

Recherchen in Internet ergeben das Schilder solcher Aufschrift an mehreren Orten in Deutschland als Ausdruck des Protestes an Reiterstandbildern angebracht wurden.